Schaffe mir Recht, Gott!

Liebe Leserin, lieber Leser,

"Schaffe mir Recht, Gott!" - mit diesem Aufschrei beginnt der kurze Psalm 43.
"Judica!", in den Worten der lateinischen Bibel. Judika ist daher der alte Name des vorletzten Sonntags in der Passionszeit, bevor der Palmsonntag mit dem Einzug Jesu in Jerusalem die Karwoche einleitet.

"Schaffe Recht!"
Dass es Gott gut mit uns meint und uns zu unserem Recht kommen lässt, davon ist der Beter des Psalms überzeugt und darauf vertraut er. Und gleichzeitig fragt er klagend: „Warum hast du mich verstoßen? Warum muss ich so traurig gehen, wenn mein Feind mich drängt?“. 

Er muss offenbar erleben, dass die Lebenswege, die wir Menschen konstruieren und einschlagen ganz anders sind, als die, die wir uns in der Begleitung Gottes wünschen. So braucht zum Beispiel kein Mensch einen Krieg. Dennoch akzeptieren wir diese „Drecksarbeit“, und der Repräsentant unseres Volkes hält das für rechtens, auch wenn sie mit dem Völkerrecht nicht vereinbar ist.
"Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und meine Wege sind nicht eure Wege." (55, 8)  lässt Gott durch den Propheten Jesaja zurechtrücken.
Und der irdische Weg Gottes in Jesus Christus zeigt deutlich, dass er unsere Wege und Vorstellungen von Recht und Ordnung durchkreuzt - auch unsere Vorstellungen davon, was böse und gut ist, was und wer dazu gehört oder eben draußen bleiben muss, was angesagt oder ein No-Go ist, was ein lieber Gott ist und einer, den ich nicht verstehe.
Gott ist so immer auch der ganz andere und in Jesus kommt er uns und unseren Vorstellungen von Recht skandalisierend quer, zum Beispiel wenn er seinen Nachfolgenden sagt:

»Ihr wisst: Die Herrscher der Völker, ihre Großen, unterdrücken ihre Leute und lassen sie ihre Macht spüren. Bei euch muss es anders sein! Wer von euch etwas Besonderes sein will, soll den anderen dienen, und wer von euch an der Spitze stehen will, soll sich allen unterordnen.“

(Mk 10, 42-44 vgl. Mt 23,1-11)

Wenn Gott also Recht schafft, dann dreht er das untere nach oben, dann schafft er neu und überraschend. 

"Schaffe mir Recht, Gott!"
Wenn wir auf Gottes Handeln hoffen, dann geschieht ja gerade nicht das, was wir uns vorstellen können oder gerne so passend zu Recht legen, sondern es geschieht das Unvorstellbare: 

Gott ist mir nahe – selbst wenn ich mich bis zum äußersten Meer verlaufen habe und nur noch Einsamkeit um mich sehe, selbst wenn ich von seiner Nähe nichts spüre und mit Jesus rufe: "Mein Gott, warum hast du mich verlassen!"

"Schaffe mir Recht, Gott!"
erwartet also nicht das Recht und die Gesetze dieser Welt. 
Die belassen die Mächtigen und das Bedrückende oben. Die werden von Kriegstreibern und Ausbeutern in Willkür zu Recht gebogen. Die nehmen auch den Tod von Unschuldigen Kindern als Kollateralschaden in Kauf. 

Der Ruf "Judika!" "Schaffe Recht!" erbittet das Unvorstellbare, das heilsame Eingreifen Gottes, den ganz anderen Weg zum Frieden, zum Teilen, zur Versöhnung. 

„Sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten und bringen zu deinem heiligen Berg und zu deiner Wohnung,“ so betet der Psalmist weiter.

Jesu steht für diesen ganz anderen Weg und die ganz andere Wahrheit.
An Ostern feiern wir das Unvorstellbare, das ganz andere Licht dieses Lebens: Liebe ist mächtiger als Gewalt und Gott ist größer ist als der Tod. 

Jeder Sonntag erzählt von diesem neuen Weg Gottes, jeder Sonnenaufgang, der über die Nacht siegt, jede Frühlingsblume die den Frost durchbricht, jeder Neuanfang am Ende eines leidvollen Weges, jedes Aufstehen gegen Unterdrückung und Übergriffigkeit, jeder Friedensschluss, jedes Ende einer Mauer, jede offene Tür.

Am Ostermorgen lassen wir uns in dieses Geheimnis Gottes mitnehmen.

Ein frohes Osterfest wünscht
Stefan Lipfert, Pfarrer

Tageslosung

Tageslosung vom
10.06.2026
Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser!
Jesus sprach zu ihnen: Wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.

Redaktionsschluss Kiliansbote

Der Redaktionsschluss für den nächsten Kiliansboten ist am 20.07.2026.
Beiträge nimmt bis dahin für die Kirchengemeinde Kasendorf Tanja Friedrich per E-Mail (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.) und für die Kirchengemeinde Peesten Maximilian Krüger entgegen.

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