Liebe Leserin, Lieber Leser,
ums Jahr 30 nach Christus ruft Johannes der Täufer in der Wüste: „Kehrt um, denn das Himmelreich ist nahe…“ So wie schon der Prophet Jesaja es angekündigt hat:
„Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Strassen!“ (Matthäus 3,2f)
Im Advent wird die Ankunft Gottes vorbereitet. Der Messias kommt und will uns mitnehmen auf den Weg zurück zum Vater und damit zum umfassenden Frieden, zum Schalom. Wir sind als Wandernde unterwegs auf dieses Ziel zu, nicht verloren, sondern aufgehoben im Herzen Gottes.
Dieser Trost will sich Bahn verschaffen und Raum bekommen in unserer Welt. Dass Menschen sich für Gott öffnen können, das war Ziel der Botschaft von Jesus Christus. Diese Begegnung mit Gott geschieht nicht an der Krise vorbei, sondern durch die Krise hindurch. Da ist die Bibel sehr realistisch.
Der Weg führt oft durch die Wüste oder wie im Psalm 23 durch das finstere Tal. Es gibt Momente im Leben, die uns aus der gewohnten Bahn heben. Die Bibel erzählt von dieser Erfahrung immer wieder. Sie erzählt aber auch, wie dann Gott selbst zum Trost kommt. Wie er in der Wüste und Not nahe ist, eine Begegnung mit seiner heilenden Nähe schenkt. Das war so bei Abraham, Mose, Johannes den Täufer oder Jesus Christus.
Gottes Trost ist deshalb anders. Sein Trost verharmlost oder verdeckt die Situation nicht, aber er stellt unser Leben in den größeren Horizont seiner unbegrenzten Möglichkeiten und Zusagen. Diese Möglichkeiten Gottes wollen sich sozusagen von außen einen Weg bahnen durch die Wüste die uns oft umgibt:
- durch die Wüste der Ratlosigkeit und Resignation,
- durch die Wüste der Unsicherheit und Angst.
Advent heißt: Gott bewegt sich. Er kommt auf uns zu. Er bereitet sich einen Weg, um unser Trost zu werden.
Wenn Gott kommt, so lautet die Botschaft des Propheten, werden Menschen aufgerichtet, können sie neu aufatmen, wird ihnen ein frischer Blick geschenkt: Die Wirklichkeit muss nicht und wird nicht immer so bleiben, wie es »nun einmal« so ist; die Geschichte wird nicht auf ewig so weitergehen. Es gibt ein Mehr: Gottes Kommen kündet von der „Anders-Welt“, die in unsere irdische Existenz hinein bricht wie das Licht und der Gesang der Engel für die Hirten auf dem Feld. Und plötzlich ist alles neu – und alles kann neu werden!
Mit Adorno gesagt:
»Weil das, was ist, nicht alles ist, kann das, was ist, sich ändern.«
Advent heißt dann auch: Mit Gott rechnen der größer ist.
Die Adventszeit will uns helfen, in eine wachsende Freiheit hineinzukommen; loszulassen, was ich eigentlich gar nicht brauche; mich dem zuzuwenden, was das Leben wirklich kostbar macht: hingebende Liebe und die Wertschätzung auch vom Kleinen und Unscheinbaren.
Gerade darin zeigen sich die Würde und die Freiheit, die Gott uns geschenkt hat. Wir dürfen mit Veränderung rechnen und auf sie zugehen.
Möge uns Gott im nächsten und unbekannten begegnen und Täler und Berge ebenen.
Möge Gott uns in dieser Adventszeit segnen mit Zeiten der Ruhe, des Innehaltens, dass wir Gott Raum geben können für das, was er uns schenken möchte. Vielleicht werden wir dann selbst Botinnen und Boten des Trostes und der Freude sein.
Einen gesegneten Advent wünscht
Stefan Lipfert

mit diesem Symbol versehene Links verweisen auf externe Seiten. Auf deren Inhalt haben wir keinen oder nur bedingten Einfluss und übernehmen keine Haftung für diesen.