Liebe Leserin, lieber Leser,
Ferien und Urlaub sind angesagt. Wer nicht ans Meer fährt findet sein Glück in den Bergen, sagt man. Südtirol oder nebenan auf der Kösseine, im Felsenlabyrinth, auf dem Staffelberg. Die wunderschöne Landschaft genießen.
Wandern und Kraxeln hat seinen Reiz. Wege, an denen die Felsen überhängen oder es nebenan gefühlt einen Kilometer senkrecht in die Tiefe geht.
Passagen, die schmal wie ein Handtuch sind und nur mit einem Seil gesichert. Wie am Staffelberg kann man mutig von der einen auf die andere Platte springen – oder eben den tiefen Spalt umlaufen.
Den Fuß immer trittfest am Boden haben und schwindelfrei seinen Weg gehen, ist gar nicht so einfach. Die Schönheit der Berge, die Freude am Gipfel zu stehen und den weiten Blick in die Landschaft zu genießen, ist ja ohne die Mühe und die Gefahr des Auf- und Abstiegs nicht zu haben.
Wer da die Sicherung am Seil los lässt oder stolpert, kann stürzen – und dann geht’s auch im „Fränkischen Gebirg“ nur in eine Richtung - abwärts.
Gut, wenn man das richtige Verhalten in den Bergen gelernt hat, eine gute Ausrüstung hat und auch etwas Erfahrung. Gut, wenn man als Kind schon mit den Eltern kraxeln war, schwindelfrei ist und sich die Fitness bis ins Alter bewahren kann.
Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.1. Petrusbrief 5, 7
In den biblischen Briefen der Apostel gibt es viele Anleitungen für eine spannende Bergwanderung: für die Bergwanderung des Lebens. Sie schreiben über die richtige Ausrüstung und ihren Einsatz.
Petrus zum Beispiel berichtet von der Wanderung auf dem Grat von Gnade und Demut.
Auf der einen Seite der Abgrund der Selbstgerechtigkeit, des Stolzes und des Hochmutes.
Auf der anderen Seite der Abgrund der Unterwürfigkeit, der Kriecherei und Angst.
Das Seil an dem ich mich in Demut halten kann heißt für Petrus Glauben. Angebracht auf dem Lebensweg hat dieses Seil Jesus Christus - durch Leben und Tod hat er es gelegt. Es gibt Orientierung und Halt und es lädt zur Nachfolge ein. Im sorgenfreien Nachgehen wird der Weg entspannter, so dass man die Landschaft auch in der Fülle genießen kann. Den Blick auf den Weg zu richten, heißt dann, den Blick auf die Gnade Gottes zu richten, sich an seiner Güte und Barmherzigkeit zu orientieren.
Hochmut, so Petrus, ist die Vorstellung: Ich habe alles im Griff, ich kann auf das Seil verzichten. Mir kann ja gar nichts passieren. Ich habe Hilfe und Leitung nicht nötig. Ich weiß schon alles und kann schon alles und bin alles.
Auf der anderen Seite ist der Abgrund der Angst nun auch nicht hilfreich. Wer immer nur in die Tiefe blickt, wird verzagen und den Weg zum Gipfel nicht finden.
In den Bergen sehen wir ein, dass Hochmut und Angst eine fröhliche Bergwanderung unmöglich machen und Wegweiser und Seile im Klettersteig lebenswichtig sind.
Im Alltag sind das Seil des Glaubens und damit der gute Weg Gottes oft vergessen.
Nun kennt keiner sich im Gebirge meines Lebens besser aus als Gott, der es geschaffen hat. Deshalb rät Petrus: „Überlasst alle eure Sorgen Gott, denn er sorgt für euch."
Macht euch auf dem Weg am Seil des Glaubens fest und folgt dem erfahrenen Bergführer Jesus Christus.
Demut und Wachsamkeit werden auf dem Lebenssteig die Fülle des Lebens zeigen, so wie es Dietrich Bonhoeffer einmal beschreibt:
„Nicht das Beliebige, sondern das Rechte tun und wagen,
nicht im Möglichen schweben,
das Wirkliche tapfer ergreifen,
nicht in der Flucht der Gedanken, allein in der Tat ist die Freiheit.
Tritt aus ängstlichem Zögern heraus in den Sturm des Geschehens, nur von Gottes Gebot und deinem Glauben getragen,
und die Freiheit wird deinen Geist jauchzend umfangen.“Widerstand und Ergebung, DBW Band 8, S. 571
Eine spannende und fröhliche Urlaubszeit wünscht Ihnen
Stefan Lipfert, Pfarrer

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