Leben aus der Dankbarkeit

Liebe Leserin, lieber Leser,

die großen politischen Wahlen in diesem Jahr sind vorbei. Die Mitte schwindet. Die Minuszeichen stehen vor den „Volksparteien“. Manche davon haben das Volk verloren und fallen völlig raus. Der Zuwachs findet sich an den Rändern wieder. Für viele drückt das die Unzufriedenheit und spürbare Unsicherheit in unserer Gesellschaft aus. Der Alltag erscheint nur noch im Gewand des Überlastungs- und Krisenmodus. Selbstwirksamkeit versinkt in Resignation und Trauer um Verlust. Das Gesicht unseres Bundeskanzlers erzählt davon und die Gespräche bei Bier und Kaffee auch. „Von meinem Leben sehe ich gar nichts mehr“ heißt es da. Der Job wird immer stressiger, die Kinder immer schwieriger, die Gesundheit immer bedrohter, der Geldbeutel immer leerer, Straßen, Brücken und das eigene Haus immer reparaturbedürftiger, die Wohnung immer teurer, das Klima immer belastender, der Kaffee immer ungerechter … „und von der Tanke will ich schon gleich gar nicht reden! Ich kann ja doch nichts ändern, die da oben machen, was sie wollen.“ Gefühle von Ohnmacht nagen an der Lebensfreude. „Ich komme einfach nicht vorwärts, überall stößt man auf Widerstände.“

Stimmt das so? Überall Widerstände? Man kann nichts machen? 

Alles wird schlechter? Ist das jetzt angesagter Lebensstil: „Ich jammere, also bin ich!“ 

Ich muss an die Fahrt durch manche Großstadt denken, die eigentlich immer mit dem Gefühl endet, dass es mehr rote als grüne Ampeln gibt, obwohl das ja nicht stimmt. Und an den entlarvenden Satz von Karl Valentin: „Die Zukunft war früher auch besser“, oder wie mein Nürnberger Großvater die Peterlesboum mit Augenzwinkern zitierte: „Früher waren die Streichhölzer auch besser – da waren die Köpfe auf der anderen Seite.“

Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch!
Eure Güte werde allen Menschen bekannt. Der Herr ist nahe. 
Sorgt euch um nichts, sondern bringt in jeder Lage betend und flehend eure Bitten mit Dank vor Gott!

Philipper 4,4-6

Den Herausforderungen unserer Zeit wird man wohl nicht begegnen können, wenn man rückwärts gewandt durch das Leben geht, die Vergangenheit mit einer rosa Brille anschaut, in der Gegenwart nur Verlust und Niederlage notiert und jedes Scheitern als das Ende aller Möglichkeiten sieht. Es wird wohl auch nicht besser werden, wenn wir uns wieder autoritären Systemen unterwerfen, in der Hoffnung, die würden es für uns richten. Das hatten wir schon mal und es führte sowohl nach links wie auch nach rechts in die Katastrophe.

Jede Krise hat ja auch die Chance, den inneren Kompass neu auszurichten, wieder bewusster zuzuhören und Brücken zu bauen, wo Gräben entstanden sind. Die Mitte, die Balance und die Resonanz mit dem Leben um mich herum neu zu suchen und auch zu finden.

„Sorgt euch um nichts!“ schreibt Paulus an die Philipper. Wie kommt man zu einer Lebenshaltung, in der die Sorgen nicht das Übergewicht gewinnen? 

„Bringt in jeder Lage betend und flehend eure Bitten mit Dank vor Gott!“ schreibt er. 

Das ist spannend: die Bitten mit Dank verbinden. Die Sorgen und die Nöte der Zukunft mit dem verbinden, was es an Erlebtem zu feiern und an Geschenktem zu danken gibt. Das Erntedankfest lädt genau dazu ein. In sich gewiss werden lassen, dass mein Leben Geschenk ist und wunderbar erhalten wird. Da ist das Dach über dem Kopf, die tägliche Arbeit, die Freude am Kinderlachen, der Genuss beim Essen, der Duft der Blumen im Garten, das Gespräch mit Vertrauten – da ist so viel, was nicht selbstverständlich ist. Grund genug zum Danken, für jedes Unwetter, das an Kasendorf vorbei zieht, für jede Bewahrung bei Unachtsamkeit auf der Straße, für jede Kraft im eigenen Körper, die Wunden und Verletzungen heilen lässt, für jede Nachbarin und jeden Nachbarn, der mir mit Aufmerksamkeit, Verständnis und freundlichem Willen begegnet, für jedes Lächeln in trüber Stunde, jede Hand die aufhilft. Ja, wir haben Grund den Reichtum und die Fülle im Leben zu feiern. Wer aufmerksam auf und in sein Leben schaut, findet sicher einen Grund zum Danken, entdeckt die Güte, die in seinem Leben wirkt, einen Hauch des Schalom, der Fülle Gottes.

Für die Zukunft rät Paulus: Lebe aus dem Dank, dem Fest und der Beziehung zu Gott im Gebet. 

Das befreit von Resignation, weil Gottes Möglichkeiten immer größer sind als unsere Probleme. 

Das befreit auch vom Kreisen um sich selbst und hilft zu unterscheiden zwischen dem, was ich mit meiner Kraft richten und verändern kann und dem, was ich in die Hand Gottes legen muss. Es führt so wieder zur Tat und öffnet den Horizont und neue Wege.

Stefan Lipfert, Pfarrer

Jagt allezeit dem Guten nach - untereinander und gegen jedermann. Seid allezeit fröhlich.
Betet ohne Unterlass.
Seid dankbar in allen Dingen.
Denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus an euch.

1. Thessalonicher 5, 15-18

Tageslosung

Tageslosung vom
02.11.2026
Der HERR wird richten die Völker.
Gott hat einen Tag festgesetzt, an dem er den Erdkreis richten wird in Gerechtigkeit durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat, indem er ihn vor allen Menschen beglaubigte durch die Auferstehung von den Toten.

Redaktionsschluss Kiliansbote

Der Redaktionsschluss für den nächsten Kiliansboten ist am 23.11.2026.
Beiträge nimmt bis dahin für die Kirchengemeinde Kasendorf Tanja Friedrich per E-Mail (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.) und für die Kirchengemeinde Peesten Maximilian Krüger entgegen.

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