Liebe Leserin, lieber Leser,
laut Wikipedia kommt das Wort Ur“laub“ ursprünglich von der Er“laub“nis, weg zu gehen.
Die Erlaubnis, seinen Dienst oder seine Arbeit zu verlassen, die auferlegten Verbindlichkeiten für eine bestimmte Zeit ruhen zu lassen.
Eine schöne Ansage, die mir gefällt:
Wenn es um Erholungsurlaub geht, oder wie die Schweizer sagen, um Ferien, dann darf ich für eine bestimmte Zeit aus dem Arbeitsalltag aussteigen, die Anforderungen an mir vorbei lassen, von meinen Verpflichtungen entfernen. Ich darf Abstand nehmen von dem, was sonst den Terminkalender und den Posteingang überlaufen lässt. Ich darf mir die Freiheit nehmen, mich von Verpflichtungen abzuwenden und der Kür des Lebens zuzuwenden, das zu entfalten, was mir Freude macht und wozu ich gerade Lust habe. Tun, was ich will und nicht, was ich muss.
Ich bin dann mal weg – mit Erlaubnis, also im Urlaub. Nicht, um schon wieder irgendwelche Ziele zu erreichen, irgendwelche Strecken abzuarbeiten, irgendwelche Hotspots aus den Urlaubsglanzbroschüren und Influenzerpostings mit Selfies einzusammeln, sondern, um ganz für mich da zu sein.
Karl Valentin brachte das einmal auf einen ironischen Punkt, der gut zu den freizeitgestressten modernen Menschen passt:
„Heute mache ich mir eine Freude und besuche mich selbst. Hoffentlich bin ich daheim.“
Es entspricht dem Satz von Meister Eckhardt:
„Gott ist immer in uns – nur wir sind selten zu Hause.“
Der mittelalterliche Dominikaner-Mönch, Magister der Theologie und bis heute einflussreiche Mystiker ging davon aus, das Gott in jedem Menschen einen Platz hat. Ganz bildlich: das neben den Räumen der Arbeit, der Geschäftigkeit, des Essens und Schlafens und des Hobbys, der Trauer, des Feierns und weiteren Funktionsräumen in jedem Lebenshaus auch ein Raum ist, in dem ich Gott begegne. Und lasse ich die Tür zu diesem Raum offen stehen, dann wird aus ihm heraus das ganze Haus mit der Kraft der Liebe und des Friedens, mit dem göttlichen Licht erfüllt.
Vielleicht ist die Urlaubszeit eine gute Gelegenheit wieder einmal ganz bei sich durch das eigene Lebenshaus zu wandern und den Raum Gottes die Tür zu öffnen. Auf die eigenen Gedanken zu achten und das, was sich in unserem Herzen regt ehrlich anzuschauen. „Habitare secum“, das „Wohnen bei sich selbst“, wie es bei den Benediktinern gelehrt wird.
Dazu muss man nicht unbedingt ins Kloster oder auf den Pilgerweg, wenngleich das gute Möglichkeiten sind, seinen Urlaub zu gestalten. Oft tut es unterwegs auf Reisen auch der Besuch einer Kirche: Still werden und auf sich achten; zu sich kommen und sich überraschen lassen, wie nahe Gott einem ist.
Der Briefschreiber an die Gemeinde in Ephesus im Neuen Testament betet darum im 3. Kapitel, Verse 16-21:
Ich bitte Gott, dass er euch aus dem Reichtum seiner Herrlichkeit beschenkt und euch durch seinen Geist innerlich stark macht.
Ich bitte ihn, dass Christus durch den Glauben in euch lebt und ihr fest in seiner Liebe wurzelt und auf sie gegründet seid.
Ich bitte ihn, dass ihr zusammen mit der ganzen Gemeinschaft der Glaubenden begreifen lernt, wie unermesslich reich euch Gott beschenkt.
Ihr sollt die Liebe erkennen, die Christus zu uns hat und die alle Erkenntnis übersteigt. So werdet ihr immer umfassender Anteil bekommen an der ganzen Fülle des Lebens mit Gott.
Gott kann unendlich viel mehr an uns tun, als wir jemals von ihm erbitten oder uns ausdenken können. So mächtig ist die Kraft, mit der er in uns wirkt.
Ihm gehört die Ehre in der Gemeinde und durch Jesus Christus in allen Generationen, für Zeit und Ewigkeit!
Amen.
Diesen Bitten schließe ich mich an und wünsche allen eine gesegnete Urlaubszeit.
Ihr Stefan Lipfert, Pfarrer

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