Liebe Leserin, lieber Leser,
„Zu Pfingsten sind die Geschenke am gringsten.“
Im Vergleich zu Weihnachten und Ostern bietet, was kommerzielle Geschenke angeht, das Pfingstfest 50 Tage nach Ostern fast gar nichts an. Es gibt bislang auch von der Industrie noch keine pfiffige Idee, wie man Pfingsten vermarkten könnte. Also ist Urlaub und Reisen, Sport oder Kerwa feiern angesagt.
Und doch spricht der Apostel Paulus im Blick auf das Pfingstereignis von einem großen Geschenk, wenn er schreibt:
„Wir aber haben nicht empfangen den Geist der Welt, sondern den Geist aus Gott, dass wir wissen können, was uns von Gott geschenkt ist.“ (1. Korintherbrief Kapitel 12, Vers12)
Für den Apostel Paulus ist der Geist aus Gott oder der „Heilige Geist“, wie wir sagen, das Top-Geschenk Gottes, seitdem Jesus in den Himmel aufgefahren ist.
Paulus schreibt in seinen Briefen davon:
Das wertvollste Geschenk für einen Menschen ist der Geist Gottes, der Verständnis, Liebe, Wahrheit, Gerechtigkeit, Heil und Frieden mit sich bringt. Ein Geschenk, das man nicht sieht, hinstellen und abstauben kann, sondern das einen selbst ergreift und über einen hinauswirkt, wenn man sich dafür öffnet.
Gott ist Liebe und er wirkt diese Liebe durch seinen Heiligen Geist. Er wirkt auch anderes, aber eben in allem diese Liebe.
Natürlich haben wir auch den „Geist der Welt“, wie Paulus sagt, also unser Erkennen und Verstehen. Doch wir leiden unter den Grenzen dieses Geistes, weil die Vernunft oft nicht weiterhilft und unser gegenseitiges Verstehen seit dem Turmbau zu Babel im Alltag immer wieder so kläglich scheitert. Die Nachrichten sind voll davon. Deshalb das Geschenk Gottes zu Pfingsten, der Geist der Liebe und Barmherzigkeit. Die Annahme dieses Geschenks hat Folgen.
Der Geist der Welt sagt:
Du bist da, weil Vater und Mutter sich vereinigt haben. Alles, was du hast, verdankst du deiner Arbeit und den Fähigkeiten deines Verstandes.
Der Geist aus Gott sagt mir:
Gott hat mich gewollt, mir das Leben geschenkt und mich bei meinem Namen gerufen. Alles, was ich habe und alles, was mir gelingt, sind Früchte des Segens, den Gott in mein Leben gelegt hat.
Der Geist der Welt sagt:
lebe so gut, wie du kannst; achte stets auf deinen Vorteil; denn mit dem Tod ist alles vorbei.
Der Geist aus Gott sagt:
lebe so gut, wie du kannst; habe das Leben aus Gottes Gaben bis in die Ewigkeit. Nehme es in Dankbarkeit an und vergiss nicht deine Verantwortung vor Gott für die Schöpfung und deinen Nächsten.
Der Geist der Welt sagt:
was wirklich zählt, sind Leistung, Stärke, Reichtum und Einfluss. Je mehr du davon hast, desto wertvoller bist du als Mensch und wirst geachtet.
Der Geist aus Gott sagt:
ein Mensch sieht, was vor Augen ist, aber Gott sieht das Herz an. Vor Gott zählt: Vertrauen und Liebe. Vor Gott bist du ein wertvoller Mensch für diese Welt - unabhängig von deiner Leistung, deinem Besitz und deinem Einfluss.
So gibt es an Pfingsten doch ein großes Geschenk:
Durch den Heiligen Geist erkennen wir die heilende Nähe Gottes. Der Glaube wächst und wir vertrauen Gott im Leben und im Sterben.
Durch ihn verstehen wir uns untereinander mit Respekt und in Liebe. Die Pfingstgeschichte erzählt uns, wie Kommunikation gelingt und die Gemeinschaft zunimmt. Durch den Heiligen Geist wird jede und jeder mit der Barmherzigkeit und Vergebung Gottes verbunden und lernt, sich auch selbst anzunehmen mit Schwächen und Mängeln.
Pfingsten, das ist ein großes Geschenk für unser Leben.
Ihr Stefan Lipfert, Pfarrer

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